Inhalt dieses Beitrags
Kaum ein Feld der Rechtspraxis nutzt Künstliche Intelligenz so früh und intensiv wie der Unternehmenskauf. KI-Werkzeuge – insbesondere generative Systeme (GenAI) – beschleunigen M&A-Transaktionen, senken Kosten und versprechen perspektivisch sogar bessere Arbeitsergebnisse. Wer KI im M&A einsetzt, muss aber die rechtlichen Grenzen kennen.
Wo wird KI im M&A-Prozess eingesetzt?
Praktisch jeder Schritt einer Transaktion (Private M&A, Public M&A oder Carve-out) lässt sich heute durch KI unterstützen:
- Marktscreening & Zielidentifikation: automatisierte Screenings und „dynamische Pipelines" möglicher Zielobjekte.
- Due Diligence: weitgehende Automatisierung der Datenraum-Analyse; die Beteiligten konzentrieren sich auf Plausibilisierung und Detailfragen.
- Vertragsanalyse & -verhandlung: Erkennen von Risiken, Vergleich von Klauseln, Unterstützung bei der Verhandlungsvorbereitung.
- Post-Closing-Integration: Identifikation von Synergien und Umsetzungsplänen.
Welche Vorteile bringt KI?
Die Treiber sind klar: Tempo, Kosten und Tiefe. KI erschließt schneller tiefe Einblicke in die Zielgesellschaft – selbst wenn Daten verteilt, uneinheitlich aufbereitet oder mit impliziten Annahmen versehen sind. Das verschafft Kaufinteressenten früher belastbare Erkenntnisse und beschleunigt den gesamten Prozess.
Welche rechtlichen Risiken bestehen?
Den Chancen stehen handfeste Risiken gegenüber, die in die Vertrags- und Prozessgestaltung gehören:
- Vertraulichkeit & Datenschutz: In Datenräumen liegen hochsensible Informationen. Der Einsatz von KI-Werkzeugen muss Geheimhaltungspflichten und die DSGVO wahren – insbesondere bei personenbezogenen Daten der Zielgesellschaft.
- Qualität & Halluzinationen: Generative KI kann fehlerhafte oder erfundene Ergebnisse liefern. Ohne Plausibilisierung drohen falsche Bewertungen.
- Haftung & Sorgfalt: Die Verantwortung bleibt bei Beteiligten und Beratern. Der Autonomiegrad (Human-in-the-Loop, -on-the-Loop, -out-of-the-Loop) entscheidet über das Risiko – im M&A sollte der Mensch die Kontrolle behalten.
- W&I-Versicherung: Ob und wie KI-gestützte Due-Diligence-Ergebnisse versicherbar sind, ist ein eigener, sorgfältig zu klärender Punkt.
Wer haftet für KI-Fehler?
Die Beteiligten und ihre Berater – nicht „die KI". KI-Ergebnisse sind ein Hilfsmittel, kein Ersatz für die fachliche Prüfung. Wer sich blind auf KI-Ausgaben verlässt, riskiert Sorgfaltspflichtverletzungen. Entscheidend ist eine dokumentierte menschliche Kontrolle und die Plausibilisierung der Ergebnisse.
Was bedeutet das für die Vertragsgestaltung?
- Klare Regeln zum KI-Einsatz: Wer darf welche Werkzeuge mit welchen Daten nutzen? Vertraulichkeits- und Datenschutzvorgaben in NDAs und Datenraumregeln aufnehmen.
- Garantien und Aufklärung: KI ersetzt nicht die Verkäuferaufklärung; falsche Angaben über die Zielgesellschaft bleiben haftungsträchtig – wie unser Beitrag zum Schiedsspruch im Unternehmenskauf zeigt.
- Prozesse dokumentieren: Welche Ergebnisse stammen aus KI, wie wurden sie geprüft? Das ist für Haftung und W&I-Deckung relevant.
Wie wir Sie unterstützen
Wir verbinden gesellschaftsrechtliche Transaktionsberatung mit einem klaren Blick für Legal Tech und die rechtlichen Rahmenbedingungen digitaler Werkzeuge. Als Anwalt für Gesellschaftsrecht in Köln gestalten wir den KI-Einsatz im Unternehmenskauf rechtssicher – von Datenraum und Due Diligence bis zur Vertragsgestaltung. Sprechen Sie uns an.